Spaß an Musik!

Neugierig geworden?

Wenn Sie genaueres über unsere Geschichte erfahren wollen, so zögern Sie nicht und nehmen Kontakt mit uns auf!

Empfohlene Links

Willkommen auf unserer Internetpräsenz!

Chronik der Blasmusik in Scheppach

Musik hat in Scheppach eine lange Tradition. Wie Rudolf Seibold in seiner Ortschronik nachweist, treten seit dem 30jährigen Krieg in Scheppach Musikanten auf, in der Regel Einzelpersonen, ohne dass es eine Art Musikvereinigung gegeben hätte. Bereits im 18ten und zu Beginn des 19ten Jahrhunderts gibt es in Scheppach nachweislich, z.B. bei Tanzveranstaltungen, auch Musikgruppen. Ein wichtiges Datum in dieser Entwicklung stellt das Jahr 1870 dar. Hier wird, bestätigt durch die Aussagen von Musikern Anfang des 20sten Jahrhunderts, die in den Unterlagen der Trachtenkapelle niedergelegt sind, folgendes berichtet:

„Im Kriegsjahr fand nach der Einnahme von Sedan auf dem Lerchenberg eine Siegesfeier statt, wobei eine Tanne mit Pech übergossen, aufgestellt und angezündet wurde. Dazu spielte die örtliche Blaskapelle unter Leitung des Ortslehrers.“

Ausgangspunkt 1870

Das Jahr 1870 ist somit der Ausgangspunkt einer lückenlos belegbaren Tradition der Blasmusik in Scheppach.

Freilich ist dies nicht die Geschichte einer einzigen Gruppe von Musikern. Es ist viel mehr die Geschichte wechselnder Kapellen, die zum Teil auch nebeneinander bestanden und zwischen denen es stets einen lebhaften Austausch gab. Eine Idee hatte sich zur Jahrhundertwende in Scheppach durchgesetzt, die immer wieder auch zur Zusammenstellung neuer Orchester führte.

Eine Geschichte wechselnder Kapellen

Die älteste nachweisbare Gruppe bestand bis 1900. 1889 entstand dann eine zweite Blasmusikkapelle unter Leitung des ehemaligen Militärmusikers Blasius Klein. Nach Auflösung der älteren Gruppierung und Übernahme zahlreicher Musiker wirkte sie bis zum Jahr 1934. 1920 gründete Georg Mayer seinerseits eine zunächst als Schützenkapelle bezeichnete Vereinigung, die sich über den langen Zeitraum von 70 Jahren zur heutigen Trachtenkapelle Scheppach weiterentwickelte. Ein kurzes Zwischenspiel erlebte in den 30er Jahren von 1933 bis 1938 eine Werkskapelle, die für die mechanische Weberei Hildenbrand Göppingen mit ihrem Zweigwerk in der Scheppacher Mühle tätig war. Die Vielfalt des musikalischen Engagements im Ortsteil schlägt sich auch in den Aktivitäten der sog. „Streichmusik“ nieder, die von 1900 bis zum Jahr 1965 Bestand hatte. Diese bezog ihre Mitglieder zum größten Teil aus den verschieden Blasmusiken und spielte nicht nur bei Tanz- und Theatermusik, sondern auch in der Kirchenmusik eine wichtige Rolle.

Der Ortslehrer als Mann der ersten Stunde

Die Musikkapelle der ersten Stunde war ebenso wie anfangs alle Nachfolgekapellen kein Verein im heutigen Sinn. Über viele Jahrzehnte bedarf es keiner Satzung oder auch keiner gewählten Organe, um die einzelnen Mitglieder zum gemeinsamen Musizieren zusammenzuschmieden. Leider fehlt es daher auch an schriftlichen Dokumenten, die mehr Licht in die erste Phase des musikalischen Wirkens einer Blaskapelle am Ort bringen könnten. Es bleibt der Hinweis auf den damals für die musikalische Leitung verantwortlichen Ortslehrer, der, wie seine zahlreichen Vorgänger, das musikalische Leben in der Gemeinde mitbestimmte. Dabei handelte es sich wohl um den lange Jahre tätigen Lehrer Schweigart, dem in einem Schulvisitationsbericht von 1872 auch hervorragende Leistungen im Gesangsunterricht bescheinigt werden. In unmittelbarem Zusammenhang mit der Beendigung seines Schuldienstes dürfte die Tatsache stehen, dass ab 1875 der Glasermeister Georg Högel die Leitung der damals noch nicht einmal zehn Köpfe zählenden Musikkapelle übernahm.

Ab 1889 zwei Blasmusikkapellen

Ab dem Jahr 1889 existierten dann erstmals zwei Blasmusikkapellen. Die neue Gruppierung des Bäckermeisters Blasius Klein sollte für den Zeitraum von fast 50 Jahren das musikalische Leben in der Gemeinde prägen. Sie wirkte durchaus erfolgreich. Dies kann daraus ersehen werden, dass die 1870 erwähnte erste Blaskapelle um 1900 aufgelöst wurde, wobei viele Musiker zur „Musikkapelle Klein“ überwechselten.

Bis zum Jahr 1920 bestimmte die Musikkapelle Klein praktisch allein neben der schon angesprochenen Streichmusik das musikalische Leben in der Gemeinde. Dann entstand nicht zuletzt im Zeichen eines Generationenwechsels neue Konkurrenz. Georg Mayer gründete 1920 eine eigene Formation, nach dem er selbst einige Jahre in der Kapelle Klein aktiv war.

Neue Konkurrenz im Jahr 1920

Zunächst wirkte diese Kapelle auch als sogenannte „Schützenkapelle“ für den 1921 gegründeten Scheppacher Schützenverein. Bald schon bürgert sich hier die Bezeichnung „Musikkapelle Mayer“ und später „Musikvereinigung Scheppach“ ein.

Die 14 Jahre von 1920 bis 1934, dem Zeitpunkt, als sich die Kapelle Klein auflöste, waren von einer durchaus fruchtbaren Konkurrenzsituation zwischen den beiden Blasmusikgruppen gekennzeichnet. Zunächst als „die Jungen“ nicht ganz ernst genommen, entwickelte sich die Musikkapelle Mayer bald zu einer echten Bereicherung des kulturellen Lebens in Scheppach. Nicht zuletzt durch gleichzeitige Auftritte, etwa bei Umzügen, entstand eine fruchtbare Wettbewerbssituation, wenngleich, wie berichtet wird, sich die Musiker der beiden Kapellen nicht immer grün waren.

Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg

Wie überall, so stellte auch in Scheppach der zweite Weltkrieg einen schweren Einschnitt im Wirken der Blasmusikkapelle dar. Viele Musiker mussten ins Feld und einige kehrten leider nicht mehr in die Heimat zurück. Es dauerte jedoch nicht lange nach Beendigung des Krieges, bis sich die Musiker im Herbst 1948 wieder zusammenfanden, um das einmal begonnene auch in schlechter Zeit wieder fortzuführen. Die Initiative ging auch diesmal von Georg Mayer aus, der die „Musikvereinigung“ aus den Vorkriegsjahren wieder belebte. Immerhin fanden sich 15 Gründungsmitglieder, die erstmals am 19. Februar 1949 bei einer Faschingsveranstaltung der Firma Hildenbrand auftraten. Bald hatte sich die Blasmusik wieder einen festen Platz im kulturellen Leben der Gemeinde erobert und schon 1950 konnte die Musikvereinigung ihr 30jähriges Jubiläum, bezogen auf die Gründung der Kapelle 1920, im Garten des Schimmelwirt feiern. Die Festveranstaltung fand am 16. Juli 1950 statt, wobei auch die befreundeten Blaskapellen aus Jettingen, Gundremmingen, Schnuttenbach und Röfingen mit von der Partie waren.

1958: Die Musikvereinigung wird zur Trachtenkapelle

Im Jahr 1958 wird eine neue Seite in der Geschichte der Scheppacher Blasmusik aufgeschlagen. Die Musikvereinigung legt sich erstmals eine schwäbische Tracht zu und nennt sich seit diesem Zeitpunkt „Trachtenkapelle Scheppach“. Das neue Erscheinungsbild, das für die Kapelle mit einem erheblichen Kostenaufwand verbunden war, signalisiert aber auch den Übergang in eine neue Phase der Blasmusik. In den 60er und 70er Jahren wächst die Kapelle von einer kleinen Gruppe zu einem Orchester von mehr als 30 Musikern an und sie öffnet sich, freilich vorsichtig und schrittweise, auch zunehmend modernen Strömungen.

Immer im richtigen Rhythmus

Dem großen Engagement des über Jahrzehnte hinweg treu der Blasmusik als Schlagzeuger dienenden Johann Spahn war es zu verdanken, dass in den 50er und 60er Jahren eine stattliche Tambourgruppe die Trachtenkapelle bei Umzügen begleitete. Sie umfasste bis zu 10 Trommler und wurde gekonnt von ihrem Tambourmajor Alois Kastler angeführt. Etwas verspätet, im Jahr 1962, beging die Trachtenkapelle ihr 40jähriges Jubiläum im Garten des Gasthofes zur Sonne. Beim Festkonzert gaben die Musiker u.a. den Marsch „Zur Fahnenweih“, den schon der Musikverein 1920 gespielt hatte, zum Besten. Gespielt wurden aber auch schwierige Stücke wie der „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß oder der Marsch „Bayerngruß“ von Oswald Kraft. Der Vortrag und die Festveranstaltung fanden dabei eine äußerst positive Resonanz in der Presse.

1970: 100 Jahre Blasmusik in Scheppach

Im Jahr 1970 stand das 50jährige Jubiläum der „Musikkapelle Mayer“ an. Es ist der Verdienst des damals ebenso lang als Dirigent wirkenden Georg Mayer ganz bewusst die Geschichte der von ihm selbst gegründeten Musikgruppe in den Hintergrund treten zu lassen. Statt dessen stellte er die gemeinsame Tradition aller Blasmusikgruppen in der Gemeinde Scheppach in den Mittelpunkt der anstehenden Feierlichkeiten.

Mit aufwendigen Archivarbeiten, die den Grundstock für diese geschichtlichen Betrachtungen bilden, gelang es ihm die 100jährige Tradition nachzuweisen, die in diesem Jahre im großen Rahmen des 13. Bezirksmusikfestes des Bezirks 12 im Allgäu-Schwäbischen Musikbund in Scheppach gefeiert wurde. Das drei Tage dauernde Fest mit Festabend, Festgottesdienst, Umzug und Massenchor wurde in einem Festzelt in der heutigen Mooslethstraße begangen.

Im Rahmen einer Festveranstaltung am 15. Mai 1971 erhielt Georg Mayer aus den Händen des damaligen gleichnamigen Präsidenten des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes die Pro-Musica-Plakette für 100jährige Tradition der Blasmusik in Scheppach.

Nach über 50 Jahren ein neuer Dirigent

1971 endete die mehr als 50 Jahre währende Tätigkeit des Georg Mayer als Dirigent. Er übergab den Dirigentenstab an den langjährigen ersten Klarinettisten der Trachtenkapelle, Josef Eggert. Eine der letzten richtungsweisenden Handlungen des großen Förderers der Scheppacher Blasmusik bestand in der Gründung einer Partnerschaft mit der Südtiroler Blaskapelle von St.-Johann im Arntal. Dem ersten Besuch der Trachtenkapelle Scheppach in St.-Johann 1971 sollten viele weitere und ein Gegenbesuch der dortigen Blaskapelle folgen.

Der Nachfolger, Josef Eggert, sollte dann die Geschicke der Trachtenkapelle Scheppach während der nächsten 18 Jahre bestimmen. Gemessen an dieser langen Zeit als Dirigent, erwies er sich als würdiger Erbe seiner ebenfalls viele Jahre wirkenden Vorgänger.

Die 18 Jahre in denen Josef Eggert in der Trachtenkapelle als Dirigent wirkte, waren wiederum eine Zeit großer Veränderungen. Aufgrund eines ständig wachsenden Interesses breiter Teile der Gemeindebevölkerung an einer musikalischen Ausbildung ihrer Jugendlichen, wuchs die Zahl der Musiker weiter an. Erfolgte für das Erlernen eines Instrumentes meist im Einzelunterricht bei den besonders leistungsfähigen Musikern der einzelnen Register, so wurden jetzt vermehrt gruppenweise Schüler ausgebildet. Ein Aufwand, der den aktiven Musikern, die hier engagiert waren einiges abverlangte.

Frauen in der Blasmusik

Ein völlig neues Element in der traditionellen Männerwelt der Scheppacher Blasmusik stellten dann ab Mitte der 70er Jahre die ersten Mädchen in den Reihen der Musiker dar. Die anfänglichen Kritiker dieser Neuerung sind heute widerlegt. Die Mädchen und jungen Frauen sind zu einem unverzichtbaren Element der Scheppacher Trachtenkapelle geworden.

Mit dem Schulhausneubau und der dabei erstellten Turnhalle fand die Kapelle ein neues Probenlokal und einen neuen Saal für das unter Georg Mayer eingeführte jährliche Konzert. Früher fand dies in der Regel am Neujahrstag im Saal des Gasthofs „Zum Adler“ statt. Nach einem Osterkonzert 1974 bestreitet die Trachtenkapelle ihr Weihnachtskonzert seit 1976 in der rund 360 Zuschauer fassenden Turnhalle, die allerdings für solche Anlässe unter großem Aufwand hergerichtet werden muss.

Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne

Die 70er und 80er Jahre waren durch einen immer stärkeren Einfluß moderner Musikrichtungen gekennzeichnet. Dabei bemühte sich die Trachtenkapelle stets, die Tradition nicht aus den Augen zu verlieren. Die Auftritte wurden vielfältiger und die fast jährlichen Ausflugsreisen wurden zu einem neuen Bestandteil des Vereinslabens. Die Ausflüge verband man oft mit musikalischen Auftritten.

Weiterhin bestand aber auch die Partnerschaft mit der Musikkapelle von St.-Johann im Arntal. Als diese im Jahr 1989 ihr 40jähriges Bestehen feiern konnte, war die Trachtenkapelle Scheppach zu Gast und beteiligte sich mit einem abendlichen Konzert und der Teilnahme am Kirchenzug und am Festumzug.

Die jüngste Vergangenheit

1989, nach 18jähriger Tätigkeit als Dirigent, legte Josef Eggert aus gesundheitlichen Gründen den Taktstock nieder. In seine Fußstapfen trat Josef Lechner, der langjährige erste Trompeter der Trachtenkapelle, der diese Funktion bis innehatte. Ein weiterer Wechsel vollzog sich im Jahr 1992 als Norbert Birkner nach 32 Jahren den Posten des ersten Vorstandes der Trachtenkapelle abgab und Adolf Mayer zu seinem Nachfolger gewählt wurde.

Im Jahr 1993 sind zwei Ereignisse festzuhalten, die wohl als Meilensteine der langen Vereinsgeschichte betrachtet werden müssen: Es erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister und aus der einstigen Musikvereinigung, für die es nur einmal in Ansätzen eine Art Satzung gab, wurde ein gemeinnütziger Verein.

Ein weiterer wichtiger Schritt ergab sich bei der Neuorganisation der Ausbildung Jugendlicher. Zusammen mit den befreundeten Musikkapellen der Marktgemeinde Jettingen-Scheppach und Burtenbach bzw. Kemnat wurde eine gemeinsame Bläserschule als eingetragener Verein gegründet. Auf diesem Wege kann jetzt den Interssierten ein breites Angebot musikalischer Ausbildung durch professionelle Musiklehrer gemacht werden.